Presa Canario
FAQ - Häufig gestellte Fragen.
- Warum wurde eine IG Presa Canario ins Leben gerufen?
Die Interessengemeinschaft Presa Canario hat als Zielsetzung die Förderung und den Erhalt des traditionellen Presa Canario formuliert. Wir wollen mit unserem Engagement, seitens der Zucht wie auch in Punkto Öffentlichkeitsarbeit den Presa Canario in seiner urspünglichen Form repräsentieren. Für uns sind weder die unter der Bezeichnung Dogo Canario vom FCI anerkannte, sich in Richtung Ausstellungs-Degeneration bewegende Form des traditionellen Presa noch die verschiedenen neuen "Mischlings-Rassen" mit Anteilen von Presa-Blut interessant oder relevant.
Wenn für Mischlinge eine Rassebezeichnung erfunden wird ist das zweifelhaft genug, wenn diese Hunde heute als die eine, morgen als eine andere Rasse vermarktet und einen Monat später dem Presa-Interessenten wieder als reinrassige Presa Canario angeboten werden, ist das schlichtweg Betrug.
Es wird immer wieder Leute geben die sich mit vermeintlich alten Rassebezeichnungen schmücken um Geld zu verdienen. Diese Leute machen sich die Unbedarftheit ihrer Welpen-Käufer zunutze. Letztlich wird aber niemand der den wahren Charakter, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des traditionellen Presa Canario erlebt hat mit einem Mischling abgefunden werden wollen.
Aufgrund der stark profitorientierten Entwicklungen in der Hundezucht, unter dem Banner "Presa Canario", war es an der Zeit ein objektives und informatives Format rund um den traditionellen Presa Canario zu schaffen um Aufkläsrungsarbeit zu bertreiben. Neben einer Anlaufstelle für alle Presa Canario Begeisterte möchten wir auch mit unseren eigenen Zucht-Ambitionen zum Erhalt des traditionellen Presa Canario beitragen. Gewinne zu erzielen ist für uns dabei weder notwendig noch avisiert.
- Was unterscheidet Presa und Dogo Canario?
Beim Vergleich des traditionellen Presa Canario mit der FCI geforderten Definition des Dogo Canario wird der aufmerksame Leser wie wir zu dem Schluss gelangen, dass es sich dabei nicht um die gleiche Rasse handelt.
Beispiele: Neben dem Verbot bisher üblicher Farben und Farbvarianten, welche erst mit der Festschreibung von Standards, seit 1989 beim Presa diskutiert werden und im Dogo Standard aufgenommen wurden (z.B. schwarze Hunde, Hunde mit großen Weißanteilen, Hunde ohne schwarze Maske, etc.)


und somit der Eingrenzung des Genpools beschreibt der Dogo Standard auch anatomisch einen anderen Idealtyp. So fördert der Dogo Standard mit der Begrenzung der Köpergröße (analog zum Presa Standard) bei ausschließlicher Festlegung eines Mindestgewichts von 40 Kg bei Hündinnen und 50 kg bei Rüden (Presa Standard: Hündinnen 40-50 kg, Rüden 45-57 kg) die typische Molosser-Übertreibung.

moderner Dogo Canario Champion
Welche fatalen Folgen dies hat, kann man bei anderen molossoiden Rassen leicht nachvollziehen, faßförmige, teils niedrig gestellte, überladene und unproportionale Hunde. Ausstellungschampions werden in der Regel Hunde, die die traditionellen Leistungsanforderungen welchen den Presa einst bedingten nicht mehr erfüllen. Abhängig vom Genotyp der "Schönheits-Sieger", führt die Zucht rein auf die Morphologie auf Dauer zu gesundheitlichen und charakterlichen Problemen, zur Entfernung vom traditionellen Presa.
Weiterhin toleriert der Presa Standard übergroße Tiere, solange die Proportionen und die Funktionalität erhalten bleibt. Der Dogo Standard erlaubt +/- 1 cm bei sehr typischen Rassevertretern. Der Presa verlangt einen wenig ausgeprägten Stop, im Dogo Standard ist diese Passage sehr indirekt formuliert. Der Dogo Standrad erlaubt hier einen definierten aber nicht abrupten Stop, eine Formulierung die viel Platz bspw. in Richtung Bullmastiff zulässt. Weitere Unterschiede, wie bspw. die im Dogo Standard wenig ausgeprägte Forderung nach einem temperamentvollen Wesen verstärken die Kluft die zw. Dogo und Presa definiert ist und sich in Zukunft verstärkt auftuen wird.
Der zweifelhafte Umgang der FCI mit einer traditionellen, kanarischen Hunderasse zeigt sich letztlich auch in der Negierung der althergebrachten Rassebezeichnung Presa Canario. Die Begründung die unerwünschte Begrifflichkeit des Packers (Presa) mit der Änderung auf Dogo umgehen zu wollen, hinkt vor dem Vergleich mit anderen Rassebezeichnungen. So ist bspw. die Bezeichnung Bull(dog) letztlich auch seiner Verwendung beim Bull-baiting, einer sehr martialischen Nutzung, entlehnt.
Man darf nicht vergessen dass die Rasse Presa Canario rechtlich durch ein Real Decreto (R.D.) der MAPA (Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung) der spanischen Regierung festgelegt wurde. In dieser Verfügung (Real Decreto 558 / 2001) ist der Rassestandard für den Presa Canario, die erlaubte schwarze Fellfarbe, ein maximales Gewicht sowie die Bezeichnung der Rasse mit Presa Canario, bestätigt. Alle anderen Namen oder Standards sind nach spanischem Recht nicht anerkannt. Analog dazu stellt auch das Real Decreto 1557/2005 eine rechtlich offizielle Grundlage für den traditionellen Presa Canario dar. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es sich bei Organisationen wie FCI, FCE und RSCE um rein private Organisationen handelt. Selbst der RSCE erhielt von Seiten der spanischen Regierung eine Verwarnung, seine Vorschriften bezüglich des R.D. zu ändern.
Eine Petition (Ersuchen) an die FCI die "Erschaffung" des Dogo Canario aufzuheben und sich auf den traditionellen Presa Canario zu besinnen, finden Sie hier in Ihrer deutschen Übersetzung.
Wir die unterzeichnenden Personen und Züchter fordern hiermit die Fédération Cynologique Internationale (FCI) auf, die Anerkennung des „Dogo Canario“ aufzuheben, Standard Nr. 346, einstweilig anerkannt am 3. Juni 2001, und die Rasse „Presa Canario“ anzuerkennen, so wie sie schon vom spanischen Gesetz anerkannt wurde, Real Decreto 1557/2005.
Außerdem fordern wir, dass der FCI die Rasse mit dem vom spanischen Gesetz angegebenem Standard anerkennt (Real Decreto 558/2001). Der beinhaltet die Fellfarbe und das maximale Gewicht und die Größe des Hundes. Seit der Anerkennung der kanarisch entstandenen Rasse durch den FCI im Jahre 2001 gibt es endlose Streitigkeiten zwischen den Züchtern und den Liebhabern dieser Rasse. Einige nehmen an der neu anerkannten Rasse „Dogo Canario“ Anteil, während andere wiederum Abstand halten von dieser Bezeichnung, um den traditionellen Namen und Standard dieser Rasse zu schützen. Der Name „Dogo Canario“ hat in der Rassegeschichte nichts zu suchen und war bis zum Jahre 2001 noch völlig unbekannt. Die Umbenennung des „Presa Canario“ in den „Dogo Canario“ durch den FCI hat bei all denjenigen viel Verwirrung verursacht, die sich der Rasse annähern wollen. Sehr schnell bekommen sie die Streitigkeiten zwischen den Liebhabern der Rasse und den Züchtern mit. Diese Meinungsverschiedenheiten haben ohnehin schon Auswirkungen auf das Erbgut der momentan bestehenden Hunde. Die Rasse ist in den Vereinigten Staaten durch den American Kennel Club (AKC) und durch den United Kennel Club (UKC) als „Presa Canario“ anerkannt worden. Dies sind die zwei größten Rasseregister auf der Welt. Im Falle, dass der FCI unsere Forderung nicht akzeptiert, wird die Mehrheit der Gemeinschaft den traditionellen Namen und Standard der Rasse weiterhin schützen und auch weiterhin unsere Hunde als „Presa Canario“ benennen und alternative Eintragungen wie z. Bsp. die der FCE, UKC, AKC, etc. nutzen, ausgeschlossen die des FCI. Wir sind davon überzeugt, dass dies die Streitigkeiten nicht beendet, jedoch geben wir den traditionellen Namen oder Standard nicht auf. Weiterhin werden wir die spanische Regierung (Ministerio de Politica Agricultura y Alimentacion- M.A.P.A) darüber informieren, dass der FCI und der RSCE (Real Sociedad Canina de Espana) den vom spanischen Gericht (Real Decreto 1557/20050) angegebenen traditionellen Namen und Standard für unsere Rasse nicht anerkennt und sie um ihre Mithilfe bitten damit wir das Problem lösen können. Zur selben Zeit werden wir den RSCE über unseren Entschluss in Kenntnis setzen. Letztendlich wollen wir den funktionellen Aspekt dieser Rasse schützen, der im Vergleich zu den weltweiten Schönheitsausstellungen immer im Hintergrund stand. Um die Rasse zu verbessern, glauben wir, dass es notwendig ist Schritte einzuleiten um die Hüftgelenksdisplasie zu vermeiden, weiterhin müssen Wesenstests durchgeführt werden.
Es darf nie vergessen werden, dass der Presa Canario ursprünglich dafür gezüchtet wurde, funktionell zu sein und dass müssen wir unserer Nachwelt in vollem Umfang weitergeben.
- Welche Schwerpunkte verfolgte die Presa Canario Zucht auf den Kanaren bisher im Vergleich zum neu geschaffenen Dogo Canario?
Auf den Kanaren und auf dem spanischen Festland wurden Verpaarungen nicht nur nach morphologischen Gesichtspunkten vorgenommen. So fand bspw. ein Rüde, auch wenn er im Vergleich mit anderen Rassevertretern als übergroß erschien, Eingang zur Zucht wenn er leistungsfähig war. Die in den letzten 3 Dekaden sukzessive entstandenen Standards galten den meisten nur als grobe Leitlinie, nicht als Dogma. Nur die Züchter mit Ausstellungs Ambitionen orientierten sich an den morphologischen Details und behielten die Hunde aus ihren Würfen bei denen bspw. die Fellfarben geeignet erschien. Ein Presa musste auf den Kanaren arbeiten, d.h. Kühe treiben, dem Metzger den Bullen beim Schlachten halten, Plantagen bewachen, Haus und Hof schützen und das alles bei aus deutscher Sicht geringer Pflege. Die Hunde waren folglich genügsam, kraftvoll, ausdauernd und anatomisch gesund. Und nicht zuletzt auch wesensfest, d.h. unerschrocken, selbstsicher und mit einer gesunden Portion Temperament ausgestattet.
Bei objektiver Betrachtung ist der Dogo Canario nichts anderes als eine von der FCI erfundene, auf Ausstellungs-Überzüchtung ausgelegte Variante des Presa Canario. Das der ein oder andere Hobbyzüchter aus Unwissenheit sowie Profit orientierte "Züchter" mit auf den Zug springen, sind so bedauerlich es auch ist, normale Mechanismen des Marktes. Für den Erhalt des leistungsfähigen und wesenstarken traditionellen Presa Canario ist diese Entwicklung alles andere als positiv. Der Dogo Canario wird sich, auch wenn aktuell noch dem alten Presa Typ entsprechende gute Exemplare vorhanden sind, in den kommenden Jahren und Dekaden stärker vom traditionellen Presa entfernen als den Dogo Züchtern lieb sein kann.
- Was spricht gegen eine Einkreuzung molossider Hunderassen?
Im Bereich der Molosser existiert eine Vielzahl verschiedener Rassen. Hier ist der Presa als ein gesunder, noch nicht übertypisierter Vetreter mit sehr stabilem Genpool hervorzuheben. Allein schon deshalb verbietet sich die Einkreuzung anderer Molosserrassen, kann man doch im Regelfall gutes Material nur verschlechtern. Weiterhin bieten sich für verantwortungsvolle Züchter bei jeder Rasse genug Herausforderungen um mit Vernunft als oberstes Gebot die favorisierte Rasse nachhaltig zu verbessern. Mit der Vermischung verschiedener Rassen, die aufgrund unklarer Zuchtpolitik auf Dauer nicht mehr nachvollziehbar ist, wird die kontinuierliche Verbesserung einer Rasse unmöglich.
Nicht zuletzt erschwert die "Mischlings-Problematik" in Deutschland eine Kooperation mit den Kanaren und dem spanischen Festland hinsichtlich züchterischer Ambitionen. Die Spanier jedenfalls schlagen ob den Verhältnissen in Deutschland (erfundene Rassebezeichnungen, gefälschte Papiere, Deklaration von Mischlingen als Presa, selbst geschriebene Rassestandards,...) nur noch die Hände über den Kopf zusammen, ernst nehmen können Sie Deutschland in Punkto Presa Canario Zucht bisher jedenfalls nicht.
Die historisch determinierten Rahmenbedingungen und Intentionen unter denen der Presa Canario entstand und auf dem spanischen Festland sowie den zugehörigen Kanarischen Inseln gezüchtet wird, definieren den traditionellen Presa Canario. Auch für ausgewiesene Freunde gelegentlicher Blutauffrisschung in der Hundezucht, ist die Einzüchtung heutiger Molosser in eine gesunde Population wie der des Presa Canario in Punkto Phänotyp, wie auch in Punkto Genotyp keine plausible Überlegung. Exemplare der Rassen Bordeaux Doggo, Mastino Napoletano, Bullmastiff, etc. sind heute längst nicht mehr mit ihren Vorfahren von vor 30-40 Jahren oder früher vergleichbar.
Bordeaux Dogge um 1930 moderne Bordeaux Dogge
- Was ist der Presa Canario und wo liegen seine Ursprünge?
Der Presa Canrio ist ein übermittelgroßer Hund vom brachezepalen (breitköpfigen) Typ.
Er kann in die Gruppe der Molosser eingeordnet werden. Wobei der Begriff Molosser heute gemeinhin als Oberbegriff für große und breitköpfige Hundetypen gebräuchlich ist.
Der Presa Canario stammt aus Spanien und den zugehörigen Kanarischen Inseln. Es gibt Stimmen die eine Ableitung der Bezeichnung der Inselgruppe vom Wort Cane (Hund) und somit die Bennung der Kanarischen Inseln nach der Rasse Presa Canario in Erwägung ziehen. Diese Herleitung ist aber keineswegs gesichert oder als sehr wahrscheinlich anzusehen.
Der Presa Canario wird als einheitliche Rasse im heutigen Sinne seit rund 3 Jahrzehnten gezüchtet, wobei für traditionsorientierte Presa Züchter stets die Funktionalität als wichtigstes Zuchtkriterium bspw. vor der Auswahl nach bestimmten Farbvarianten stand und steht. Überhaupt besannen sich die nationalstolzen Bewohner der kanarischen Inseln erst Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder auf ihre alten Hundeschläge. In den 50er und 60er Jahren hatte u.a. die Einführung populärer Hunderassen, insbesondere des deutschen Schäferhundes, die traditionellen Rassen ins Abseits gedränkt.
Die Ursprünge des Presa Canario allerdings liegen weiter zurück. Die ersten dokumentierten Erwähnungen auf den Kanarischen Inseln datieren aus dem 16. Jahrhundert. In den Rathaus-vereinbarungen von Teneriffa und Fuerteventura sowie in den Ordenanzen von Teneriffa wird von Jagdpackern gesprochen die dem Metzger zum Treiben der teils störrischen Rinder dienten. Diese Hunde wurden weiterhin zur Jagd und Ausrottung der verwilderten Hunde gezüchtet und trainiert, welche auf den Inseln großen Schaden insbesondere an den Schafherden anrichteten.
Da es moderne Rassestandards und die einheitliche Zucht auf eine stärkere morphologische Übereinstimmung im Wesentlichen erst seit 150 Jahren gibt, muss man für die Hundezucht in vorangegangenen Jahrhunderten andere Bewertungskriterien als eine äußerliche Beschreibung annehmen.
Hundezucht in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten war in den seltensten Fällen der Liebhaberei als viel mehr dem praktischen Nutzen geschuldet. Es wurden Hunde zur Jagd, zum Treiben von Tieren, zum Schutz der Viehherden, zum Bewachen von Haus und Hof, sowie zum Hundekampf gezüchtet. Wobei der Hundekampf vor allem auf den kanarischen Inseln eher der Befriedigung ideeller Ambitionen als bspw. dem Gelderwerb zugeordnet werden kann. Für die Jagd waren eine Vielzahl recht spezifischer Hundetypen von nöten. So unterschiedlich wie die Jagdbeute (Fuchs, Rotwild, Schwarzwild, etc.) und der Verwendungszweck (Aufspüren, Hetzen, Stellen, Packen) waren dann auch die Hunde im Wesen und im Körperbau.
Auf den kanarischen Inseln sind insbesondere das Bewachen des häuslichen und höfischen Besitzes, der Schutz kleinerer Viehherden und ab dem 20. Jahrhundert auch der missbräuchliche Einsatz für Hundekämpfe, als relevante Aufgabengebiete zu nennen, für die der Presa Canario selektiert wurde. Weitere Verwendung fand der Presa Canario auch als Hund des fahrenden Schlachters. Bei diesem Einsatz musste sich der Hund in den Muffel des Bullen verbeißen, um diesen für den betäubenden Schlag des Schlachters mit einem schweren Hammer oder der stumpfen Seite der Axt völlig still zu halten.
Als Ahnen des Presa Canario sind verschiedene spanische Doggenschläge und bedingt auch einige englische Bulldoggen, Mastiffs sowie mitteleuropäische Bullenbeißer zu sehen, die bei der Kolonialisierung auf den Inseln eingeführt wurden. Wichtig sind für die Rasse aber auch die ebenfalls von der iberischen Halbinsel stammenden Hirtenhunde wie der Perro de Ganado Majero (Bardino Majero). Bei allen klaren und nationalen Begrifflichkeiten waren dies sicher alle noch keine im heutigen Sinne reinen Hunderassen. Auch wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorrangig Bulldoggen, Bull Terrier, Deutsche Dogge und spanische Mastiffs eingezüchtet, da man sich hierdurch ein verbesserte Eignung für die neu entdeckte Leidenschaft des Hundekampfes versprach. Wichtig waren dabei stets eine gesunde Anatomie und ein temperamentvolles Wesen, welches die verschiedenen Einsatzgebiete erlaubte. Dementsprechend wurden die Hunde gezüchtet. So entstand mit der Zeit der Presa Canario, der aufgrund des Verschwindens seiner Verwendungszwecke und der bereits erwähnten Einführung aktuell populärer Hunderassen, in den 60er/70er Jahren des 20. Jahrhunderts fast ausstarb.
Einige Enthusiasten belebten diesen Hundeschlag neu, wobei größter Wert auf das Wesen und die Anatomie gemäß der alten Tätigkeitsfelder des Presa Canario gelegt wurde. Auch heute noch muss ein Presa Canario im traditionellen Sinne ein gesundes Wesen (temperamentvoll aber offenen und vielseitig konditionierbar) und einen gesunden Körperbau aufweisen. Um Inzuchtdegeneration zu vermeiden wurden bei der Wiederbelebung des Presa Canario u.a. auch Importhunde verwendet. Von einem Presa Canario als einheitliche Rasse mit stabilem Genpool kann daher erst seit etwa 30 Jahren gesprochen werden. In diesen drei Dekaden entstanden mehrere Rassestandards wobei bis auf Nuancen (1 cm mehr oder weniger Schulterhöhe, manche Farbvariationen gewünscht, bzw. nicht gewünscht, o.ä.) aufgrund der hohen Bedeutung des temperamentvollen Charakters und der Funktionalität des Presa Canario vom traditionellen Presa Canario gesprochen werden kann. Andere Kriterien wie bspw. die Forderung nach einer dunklen Maske oder der kurzzeitig diskutierte Verzicht auf Hunde mit schwarzen Fell traten demgegenüber in den Hintergrund, bzw. wurden von den traditionsorientierten Presa Züchtern nie anerkannt.

- Sind hohe Anteile an weißer Fellfarbe, wie bspw. auch beim Presa möglich, bei Hunden ein Indiz für genetische Erkrankungen (Albinusmus, Taubheit, etc.)?
Die Ausbildung weißer Farbe beim Hund ist auf verschiedene biochemische Vorgänge zurückzuführen. Träger der Farbe ist das Pigment, dessen chemische Grundlage das Melanin ist. Das Melanin entsteht durch oxidative Reaktionen unter Mithilfe des Enzyms Tyrosinase aus der Aminosäure Tyrosin. Fehlt also Tyrosin oder Tyrosinase, kann keine Färbung zustande kommen.
Albinos sind Hunde denen die Aminosäure Thyrosin fehlt, auch wenn Tyrosinase vorhanden ist, können sie daher kein Pigment ausbilden. Da auch die Iris unpigmentiert ist, kann der stark durchblutete Augenhintergrund sichtbar werden und die Augen erscheinen rot. Ist keine Thyrosinase vorhanden, kann lediglich ein geringer Teil des Tyrosins durch andere Mechanismen zu Melanin umgewandelt werden. Dies ist auf die Augen beschränkt, das Fell ist trotzdem rein weiß.
1956 wies Hirschfeld durch Testpaarungen nach, dass Taubheit und weißes Fell, wenn überhaupt, keineswegs eng miteinander gekoppelt sind. In einer Dissertation aus dem Jahr 2000 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde dies bestätigt. Mit Hilfe von Varianzkomponentenschätzung und komplexen Segregationsanalysen wurden Hörtests bei Dalmatinern analysiert. Dabei wurden unter anderem die Beziehung zwischen dem Merkmal kongenitale sensorneurale Taubheit und Fell- und Augenfarbe, dem Vorhandensein von Platten, dem Geschlecht sowie dem Inzuchtkoeffizienten untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass das Allel sw, das bei der Rasse Dalmatiner genetisch fixiert ist, nicht für die kongenitale sensorneurale Taubheit verantwortlich gemacht werden kann. (Juraschko, Populationsgenetische Untersuchung der kongenitalen Taubheit beim Dalmatiner, S. 105). Das bedeutet, dass die Taubheit beim Dalmatiner unabhängig von der weißen Farbe vererbt wird.
Es gibt aber eine signifikante Assoziation zwischen dem Auftreten von blauer Augenfarbe und kongenitaler sensorineuraler Taubheit (Juraschko, S. 100/101). Die Blauäugigkeit geht mit Anomalien des Sehorgans/Augenhintergrunds einher.
Welche biochemischen Mechanismen die weiße Scheckung verursachen, ist bisher noch nicht bekannt. Man vermutet einen lokal begrenzten Tyrosinasemangel, der für die weißen Abzeichen verantwortlich sein soll. Unabhängig von der Grundfarbe wird die weiße Farbe durch das Scheckungsgen weitergegeben, dass die Grundfarbe in unterschiedlichen Ausdehnungen verdrängt. Wenig Weiß ist dabei dominant über viel Weiß. Das Weißscheckungsgen wird autosomal rezessiv vererbt, wobei das Gen für die Grundfarbe unvollständig dominant ist, so dass heteorozygote Hunde weiße Abzeichen haben. Der Grad der Ausdehnung, die die weißen Abzeichen bei einem heterozygoten Tier aufweisen, ist unterschiedlich und wird in der Farbgenetik durch die sogenannte S-Serie definiert, die in 4 Allele unterteilt wird:
S = Grund- oder Einfarbig ohne weiße Abzeichen –voll pigmentierte Oberfläche
si = Irish spotting. In der Literatur wird die Ausdehnung der zugehörigen weißen Abzeichen unterschiedlich beschrieben.
si = weiße Abzeichen an Extremitäten, Unterpartie und Hals (Little)
si = Brust ,Pfoten Bauch Schnauze u. Schwanzspitze (Allen)
si = weiße Abzeichen an Pfoten ,Brust Blesse und Halskrause (Willis)
sp = piebald (gescheckte Fleckung)
sp = unregelmäßige Weißscheckung, Buntschecke (Little)
sp = gescheckt, vorwiegend weiß, mit Flecken anderer Farben (Willis)
sw = extrem weiße Scheckung
Die Wirkung des jeweiligen Allels wird vom Vorhandensein verschiedener kleinerer Gene, sogenannter Neben- oder Modifikatorgene, beeinflusst, die man grundsätzlich in Plus- oder Minusmodifikatoren unterteilen kann. Sie bewirken dementsprechend eine schwächere bzw. stärkere Weißausdehnung. Auf diese Weise kommt es zwischen den Genotypen, die mehr oder weniger ausgedehnte weiße Abzeichen erzeugen, des öfteren zu Überschneidungen. Das heißt, optisch ist ein Hund mit weißen Abzeichen nicht eindeutig einem bestimmten Allel-Typ der S-Serie zuzuordnen und Schwierigkeiten bei der Identifikation sind unvermeidbar.
So ist zum Beispiel S, also Vollfarbigkeit, in aller Regel über das Scheckungsgen dominant. Ssi wird also wahrscheinlich vollfarbig erscheinen, aber mit Ssp oder Ssw ausgestattete Hunde können dennoch weiße Abzeichen aufweisen. Entfalten Plus-Modifiatoren ihre Wirkung, wird der Hund nur schwach ausgeprägte weiße Abzeichen entwickeln, wirken jedoch Minus-Modifikatoren ein, zeigt dieser Hund eine deutlich stärker ausgeprägte weiße Zeichnung.
Die Vielzahl der möglichen Kombinationen der Allele der S-Serie und der Einfluß, den zusätzlich noch Modifikatorgene einbringen sowie die daraus resultierenden zahlreichen Variationen der Ausprägung von weißen Abzeichen konnte hier nur kurz angedeutet werden. Dies veranschaulicht, wie schwierig, wenn nicht gar unmöglich es ist, die Ausprägung der weißen Abzeichen züchterisch zu beeinflussen.
Es ist deshalb unsinnig, eine willkürlich eingeschränkte und in ihrer Ausdehnung genau definierte Begrenzung der weißen Abzeichen bei der Bewertung im Showring und als Auswahlkriterium für einen Zuchteinsatz heranzuziehen.
Quellen: - Arbeitskreis Azawakh
Schleger, Hundezüchtung in Theorie und Praxis, 1986
Burns& Fraser, Die Vererbung des Hundes, 1968
Willis, Genetik der Hundezucht, 1992, 1989
Robinson, Genetik,1990
Hansen, Vererbung beim Hund, 2001
Wegener, Kleine Kynologie, 1995
Juraschko, Populationsgenetische Untersuchung der kongenitalen Taubheit beim Dalmatiner, 2000
- Wie alt werden Vertreter der Rasse Presa Canario?
Im Schnitt zwischen 10-15 Jahren.
- Woher bekommt man einen guten Presa Canario?
Auf den Kanarischen Inseln, wie auch auf dem spanischen Festland existiert sicher die größte Anzahl guter Vertreter des traditionellen Presa Canario. Aber auch in Deutschland gibt es verantwortungsvolle Züchter die dem ursprünglichen Rassetyp die Treue halten.
- Kann der Presa Canario als Familienhund gehalten werden?
Aufgrund des ausgeglichenen Wesens sowie der hohen Reizschwelle ist der Presa Canario auch ein angenehmer Hausgenosse. Grundsätzlich braucht die Rasse Beschäftigung und sollte gefördert und gefordert werden. Der Presa Canario ist sicher kein Hund für jedermann aber auch kein schwieriger Vertreter der Spezies Hund. Aktive Halter, die mit Hunden umzugehen wissen und einen starken Partner wie den Presa Canario konsequent erziehen und beschäftigen, können sich kaum einen besseren Begleiter wünschen.